AD(H)S im Erwachsenenalter

AD(H)S – Beginn in der Kindheit, Folgen im Erwachsenenalter

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist mehr als eine gegenwärtige Modediagnose, mehr als nur die Benennung einer vermeintlich psychiatrischen Erkrankung. Es ist eine schwerwiegende Störung, die bereits im Kindergartenalter beginnt, sich über die gesamte Schulzeit hinzieht und sich nicht selten ins Erwachsenenalter fortsetzt.

Die damit verbundenen Belastungen können das Selbstbewusstsein des Betroffenen ebenso schwerwiegend beeinträchtigen wie bei den damit konfrontierten Eltern ein Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung hervorrufen, ja schließlich ein ganzes Familiensystem in Gefahr bringen. Hierbei kann das Kind in seinem gesamten Sozialgefüge dauerhaft gestört oder gefährdet sein, umgekehrt auch der Leidensdruck der familiären und sozialen Umgebung zu einer völligen Überforderung führen.

Unaufmerksamkeit, Konzentrationsprobleme, damit verbunden z. B. auch ein deutlich gehäuftes Auftreten von Unfällen im Haushalt und im Straßenverkehr, aber auch die Hyperaktivität und die Impulsivität sind dabei die drei wesentlichen Problembereiche eines ADHS. Das ADS oder ADHS tritt übrigens in allen Kulturkreisen auf und gehört zu den häufigsten und am besten untersuchten kinderpsychiatrischen Störungen überhaupt.

Der Verdacht auf ein ADHS wird meist nach dem Eintritt in die Grundschule gestellt, wenn der Schulalltag durch Lernstörungen und Verhaltensprobleme oder in der Hausaufgabensituation beeinträchtigt ist. Im Jugendalter, mit Beginn der Pubertät, gehen vielfach die gut beobachtbaren Symptome der Hyperaktivität zurück, während die Aufmerksamkeitsdefizite bestehen bleiben. Etwa 30-50% der Betroffenen haben noch ein AD(H)S im Erwachsenenalter.

Bei unzureichend behandeltem AD(H)S neigen die Betroffenen im weiteren Leben ohne Einsatz einer angemessenen Therapie auch nachweisbar häufiger nicht nur zu psychischen Folgestörungen wie Angstzuständen und Depression sondern auch zum Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie zum sozialen Abgleiten.

Durch eine individuell angepasste und zielgerichtete Therapie kann den Betroffenen in allen Altersstufen geholfen werden. Auch in den Sigma-Kliniken werden den PatientInnen spezifische Therapiekonzepte angeboten.

Die Forschergruppe um Jacob et al. an der Universität Würzburg – Klinische Forschergruppe KFO 125 „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom: Molekulare Pathogenese und Endophänotypen im Therapieverlauf“ veröffentlichte 2007/08 Untersuchungen bei einer großen Zahl von ADHS-Patienten im Erwachsenenalter und dokumentierte eine Vielzahl von Folge- und Begleiterkrankungen („Komorbiditäten“), die sich teilweise im Erwachsenenalter erstmalig manifestierten.

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Auch Persönlichkeitsstörungen wurden in diesem Patientenkollektiv deutlich häufiger gefunden als in der Normalbevölkerung.

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