Alles hat seinen Sinn, wenn es uns nützt.

Alles hat seinen Sinn, wenn es uns nützt. Oder: Was ist Toleranz?

Über die Aussage, „Alles hat seinen Sinn, wenn es uns nützt.“, wird man im ersten Moment denken, sie beinhalte, dass jeder ein Egoist sein muss. Das möchte ich damit natürlich nicht ausdrücken, sondern es geht darum, dass der Mensch über viele tausende von Jahren gelernt hat, das zu tun, was ihn befähigt, um zu überleben. Das bedeutet, dass er über hunderttausend Jahre konditioniert wurde, das zu tun, was ihm nützt.

Dieses als Utilisation bezeichnete Prinzip ist natürlich nicht nur darauf ausgerichtet, dass wir an uns denken. Es ist gleichwertig darauf ausgerichtet, dass wir sozial denken und handeln. (Dieser Gesichtspunkt wird von den Gegnern des Nützlichkeitsdenkens verschwiegen.) Soziales Verhalten nützt uns, besonders in einer freien Gesellschaft, weil Regeln jedem nützen. Geht es dem anderen gut, mit dem wir Handel treiben, geht es auch uns gut. Insofern ist Ethik und soziales Verhalten mit dem Begriff der Utilisation oder der Freiheit in Einklang zu bringen. Auch Liebe nützt uns, wie Sie wissen; denn sind wir verliebt, leben wir auf und haben vielleicht die Möglichkeit, eine stabile Beziehung einzugehen. Wir fühlen uns vom anderen geliebt und haben so das Empfinden der Geborgenheit.

Bekommen wir Kinder, hilft es allen, denn sie sind unsere Zukunft und der Garant einer stabilen Gesellschaft. Nebenbei bemerkt sterben wir Menschen nicht aus. Kinder nützen aber auch den Eltern, da sie sich gebraucht und geliebt fühlen. Kinder geben ihrem Leben einen Sinn. Etwas sachlicher ausgedrückt: Kinder und junge Menschen nützen der älteren Generation, da sie im Alter diese direkt oder indirekt (Rente) versorgen.

Andere Menschen greifen in einer freien und offenen Gesellschaft wiederum auf andere Sinninhalte zurück, die ihnen nützen. Auch diese geben ihnen Halt. Jedes Konstrukt gibt Halt, wenn es sozial vermittelbar ist. Selbst wenn wir nur glauben, dass ein guter Geist uns beschützt, nützt diese Vorstellung autosuggestiv. Vorstellungen geben uns also Geborgenheit, besonders, wenn diese vom Umfeld z.B. einer liberalen Gesellschaft respektiert werden.

Die Frage, an was jemand glaubt, ist systemisch gesehen ohne Bedeutung. Es nützt. Daher wird in einer offenen und freien Gesellschaft kein Mensch seines Glaubens wegen verfolgt. Interessanterweise sagt auch der Dalai Lama beispielsweise, dass jeder, der glaubt, für ihn geerdet ist und er dessen Religiosität bzw. dessen Vorstellungen von Glauben nicht in Frage stellen würde.
Glaube, Ethik und damit Regeln nützen dem Menschen, d.h. sie geben ihm Halt. Also gehören sie auch in eine freie Gesellschaft.

Ein Mensch, der an etwas glaubt und deshalb mit sich stimmig ist, ist für die Gesellschaft ein in sich ruhende Persönlichkeit, mit der man Konflikte austragen kann, ohne sich gegenseitig zu bedrohen.
Deshalb ist konstruktivistisches Denken, das Halt gibt, bzw. eine Struktur darstellt, für eine freie Gesellschaft sehr bedeutsam, um sich als Individuum friedlich abgrenzen zu können, bzw. dadurch autonom zu werden.
Struktur und Liberalität sind somit keine Gegensätze sondern zwei Seiten einer Medaille (wenn wir trotzdem überzeugt sind, dass der andere nach einer Diskussion das Gleiche wie wir denken muss, liegt dies wohl an unseren Selbstzweifeln).

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