Body-Mass-Index

Die Deutschen sind zu dick, soviel steht fest. Trotz aller Fitnesstrends bewegen sie sich zu wenig. Nicht nur die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen es, auch andere Untersuchungen kommen zu diesem Ergebnis: 52 Prozent der Erwachsenen in Deutschland waren im Jahr 2013 übergewichtig – 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen. Das berichteten die Statistiker.

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Das Problem bei der Nachricht ist aber: Die Daten beruhen alleine auf dem Body-Mass-Index (BMI). Und der beschreibt die Verhältnisse nicht immer treffend.
Ein Beispiel: Jens G.  treibt seit Jahren regelmäßig Sport. Der Freizeitläufer und Schwimmer kommt in der Spitze auf bis zu zehn Stunden Training pro Woche – fünf bis sieben sind es fast immer. Mecklenburger ist 1,87 Meter groß, er wiegt knapp 97 Kilogramm. Sein Körperfettanteil liegt bei 17 Prozent. Ein hohes Gewicht, aber sonst normale Werte für einen 40-Jährigen.
Stark übergewichtig trotz Sport? Sein BMI beträgt 27,7 und bewegt sich damit zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit – der BMI definiert Menschen ab einem Wert von 25 als übergewichtig, ab 30 gelten sie als adipös beziehungsweise fettleibig. Mit steigendem BMI erhöhen sich – statistisch gesehen – die Risiken für Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden. Mecklenburger ist aber gesund, durch das Ausdauertraining ist sein Herz-Kreislauf-System gestärkt, sein Ruhepuls liegt bei 49 Schlägen in der Minute.

Dennoch wird er nach dem BMI beurteilt, was für ihn sogar schon finanzielle Konsequenzen hatte. Für seine private Krankenversicherung musste er nach dem Check beim Arzt mehr zahlen als in seiner Altersgruppe üblich ist. Die Versicherer stuften sein Erkrankungsrisiko aufgrund des BMI größer ein. Beteuerungen, dass er regelmäßig Sport treiben würde, brachten nichts.

Vielen anderen sportlichen Männern und Frauen dürfte es ähnlich gehen. US-Forscher zitieren in einem kritischen Kommentar über den BMI im Fachmagazin „Science“ Schätzungen, wonach zehn Prozent der erwachsenen US-Amerikaner definitionsgemäß übergewichtig sind, aber einen gesunden Stoffwechsel haben. Und acht Prozent trotz eines normalen BMI einen ungesunden Stoffwechsel aufweisen. Die Boxer-Brüder Klitschko wären nach dem BMI fast adipös.

Der BMI steht schon länger in der Kritik, trotzdem wird er seit den Siebzigerjahren immer wieder für Untersuchungen und Studien herangezogen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet ihn. Das hat einen Grund: Für die Berechnung werden nur zwei Werte benötigt – ideal, wenn es um die Erhebung von großen Datenmengen geht. „Der BMI ist ein geeignetes Maß, um die allgemeine Körperzusammensetzung abzuschätzen“ sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Die bereits im frühen 19. Jahrhundert vom belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet entwickelte Formel zum Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern lässt aber Muskelmasse und Fettverteilung außer Acht. Dabei sagt gerade die viel über Krankheitsrisiken aus – Bauchfett im Bereich der Organe ist deutlich gefährlicher als Fettreserven am Oberschenkel. „Für eine Vorhersage zu Krankheitsrisiken, insbesondere der metabolisch bedingten Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und auch Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, sollten noch weitere Daten wie etwa der Bauchumfang hinzugezogen werden“, sagt Boeing.

Menschen mit einer breiten Statur schneiden beim BMI schlecht ab. Wohl niemand käme auf die Idee, Boxweltmeister Wladimir Klitschko Übergewicht zu attestieren. Vor seinem letzten Kampf gegen den Australier Alex Leapai brachte der 1,98-Meter-Mann ein Gewicht von 112 Kilogramm auf die Waage. Macht einen BMI von 28,6 – Diagnose: deutliches Übergewicht.

Alternativen zum BMI gibt es längst, etwa die Waist-to-Height-Ratio, bei der man den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt. Jens G.  hat einen Umfang von 95 Zentimetern bei 187 Zentimeter Größe – das ergibt einen Wert von 0,51. Damit liegt er im Normalbereich. Menschen über 50 Jahre dürfen sogar einen Wert bis 0,6 erreichen.

Auch der ABSI („A Body Shape Index“) berücksichtigt nicht nur Größe und Gewicht, sondern zusätzlich den Bauchumfang. Allerdings muss hier genau knapp oberhalb des Hüftknochens gemessen werden. Und die Interpretation des Wertes ist nicht leicht. Die ABSI-Entwickler um den Wissenschaftler Dirk Krakauer haben aber einen Rechner online gestellt. Die Forscher berücksichtigen in ihrem Modell auch den Anteil an Muskelmasse, nicht nur das Gesamtgewicht. Einen besseren Wert erreichen Menschen nicht alleine durch Gewichtsreduzierung – auch der Bauchumfang muss sinken.

Das perfekte Maß um vorherzusagen, ob ein bestimmtes Körpergewicht oder eine bestimmte Körperform gesundheitsschädlich ist, existiert jedoch noch immer nicht. Bis dahin wird man wohl, auch aus praktischen Gründen, beim BMI bleiben.
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(c) www.BMI-Rechner.net

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