Die drei Dimensionen des Paarkonflikts

Von: | 15.04.2015 |
  • Was sind die Bedingungen für eine konstruktive Auseinandersetzung?
  • Warum werden Konflikte so häufig entweder vermieden oder zur Endlosschleife entwickelt?
  • Können Paare an ihren Konflikten gemeinsam wachsen oder sollten sie lernen, sich mit ihnen zu arrangieren?

Um den gordischen Knoten bzw. die oft Puzzleteil-artige Verschränkung unserer Konflikt- und Vermeidungsmuster mit unseren jeweiligen wunden Punkten zu lösen, müssen die verschiedenen Dimensionen des Paarkonflikts verstanden und in der richtigen Weise beachtet werden.

Eine verbindlich gelebte Partnerschaft konfrontiert jedes Paar früher oder später mit den individuellen Grenzen beider Partner und den gemeinsamen Grenzen als Paar. Und daher auch mit Grundsatzfragen, was verändert und was akzeptiert werden kann, welche Veränderungen möglich und welche für das Fortbestehen der Partnerschaft nötig sind. Dabei werden unsere persönlichen Grenzen meist dort spürbar, wo unsere „Schwachpunkte“ liegen: in unseren wunden Punkten. Wir sind mit Seiten in uns konfrontiert, die wir vielleicht selbst ungern an uns wahrnehmen wollen. Die genannten Grundsatzfragen werden daher entweder – manchmal jahrelang unbemerkt – vermieden, oder in schmerzhaften, unproduktiven Konfliktschleifen verhandelt. Zumindest werden in den meisten Langzeitbeziehungen solche Phasen durchlebt. Wenn es gut läuft, gelingt es mit der Zeit diese Fragen soweit zu klären, dass konstruktive Veränderungen möglich werden. Wenn es schlecht läuft, verstricken sich die Paare in eskalierenden Streits oder in Rückzug und Schweigen.

In der Arbeit mit Paaren stellt sich die grundlegende Frage wie das Wachstumspotenzial, das in unseren wunden Punkten liegt, sinnvoll genutzt werden kann. Was braucht es, damit Paare diese Potenziale zur Entwicklung nutzen und gemeinsam wachsen können? Was machen Paare richtig, denen diese Herausforderung gelingt und wo liegen die Fallstricke?

Der vorliegende Artikel stellt das Konzept der drei Dimensionen des Paarkonflikts als Weiterentwicklung und Integration einer Reihe bestehender Grundmodelle der partnerschaftlichen Interaktion vor. Die Unterscheidung und das Verständnis der Dimensionen der Regulation, der Klärung und der Intimität soll helfen, den therapeutischen Prozess zu strukturieren und zu steuern – oder zu erklären, warum bestimmte Interventionen in bestimmten Situationen nicht funktionieren oder nicht zu tragfähigen Ergebnissen führen. Das integrative Modell der drei Dimensionen führt die Submodelle der einzelnen Dimensionen zusammen und bringt sie gerade dadurch auf den Punkt, dass eine Beziehung der Dimensionen untereinander verstehbar wird. Diese Beziehung lässt sich in folgender Formel zusammenfassen:

„Ausreichende Regulation ist die Voraussetzung für ausreichende Klärung ist die Voraussetzung für Intimität ist die Voraussetzung für partnerschaftliches Wachstum.“

Diese Formel kann als Navigationsformel auf den häufig unruhigen Gewässern des Paarkonflikts dienen. Die hierdurch gewonnene Vereinfachung und Orientierung kann helfen einige Phänomene klarer zu erkennen, besser zu verstehen und die therapeutische Prozessführung zu verfeinern.

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Der Autor Wanja Kunstleben ist als Psychotherapeut und Systemischer Paartherapeut im Sigma-Zentrum Bad Säckingen und tätig. Zur Ergänzung des multimodalen klinischen Therapieprogramms berät und behandelt er Patienten in Beziehungsfragen. Dazu hat er für Patienten eine „Partnerschaftsgruppe“ ins Leben gerufen, in der die Patienten unterstützt werden, die Ursachen und Folgen ihrer Erkrankung oder Krise in Bezug auf ihre Partnerschaft zu verstehen, um darauf die Kommunikation mit dem Partner für die Zeit nach dem Klinikaufenthalt abzustimmen und empathisch gestalten zu können.

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