Die Sigma-Männer-Gruppentherapie

Therapiebedarf speziell für Männer?

Das Bild des Mannes war in der Vergangenheit meist einseitig geprägt durch Vorstellungen von Kraft, Durchhaltevermögen, Macht, Führung, Entscheidungsstärke und damit unmittelbar verbunden mit der Forderung, nie weich werden zu dürfen. Zweifellos ist dies ein Klischee, das aber in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, im Beruf oder auch in Partnerschaften als Erwartungshaltung an den „richtigen“ Mann konstant bleibt. Demgegenüber entwickelte  sich im Rahmen der feministischen Emanzipation aber zunehmend auch ein gesellschaftlicher Blick auf Zerrbilder, in denen z.B. nur der „Looser“, der brutale Macho oder der tumbe Chaot gezeigt wird. „Männer sind Schweine“ wurde zu einem Musikhit und gerne werden postmodern-individualistische Lebensentwürfe propagiert, die ebenfalls kaum als Leitbild taugen.

Aufgrund der Häufigkeit trennungsbedingter Vaterentbehrung und des Mangels männlicher Lehrpersonen vor allem an den Grundschulen müssen zudem zunehmend mehr Männer in ihrer Sozialisationsgeschichte ohne hautnah erlebte Männlichkeitsmodelle auskommen. Für immer mehr Jungen und Männer bedeutet diese Entwicklung, dass sie in einem mit Zerrbildern und Extremen gefüllten Vakuum positiv-wegweisender Männlichkeitsbilder leben. So wird es für eine wachsende Anzahl von ihnen offensichtlich schwer, ihren eigenen Weg im Leben zu finden. In Bildungsstatistiken schneiden sie mittlerweile verlässlich schlechter als Mädchen ab. Auch in den psychiatrischen Kliniken häufen sich seit Jahren Fälle von krisenhaften und krankhaften Entwicklungen in Folge fehlender Orientierung, beruflicher Abstürze, partnerschaftlichen Scheiterns, von Sinnkrisen, mangelnder Anerkennung und Perspektive. Das Sigma-Zentrum Bad Säckingen beschäftigt sich seit Jahren mit dieser wachsenden Problematik und hat dafür spezielle therapeutische Angebote entwickelt.

Bestandsaufnahme

Die Entwicklungsverläufe von Jungen und Männern verlaufen in Deutschland immer häufiger problematisch. Hierzu einige Fakten: Die Schulleistungen von Jungen haben sich in den letzten Jahrzehnten verschlechtert. Ihre Abiturientenquote ist seit den 90er Jahren zurückgegangen. Dagegen ist ihr Anteil an den Haupt- und Sonderschülern, den Schul- und Studienabbrechern gestiegen [vgl. z.B. Dammasch, 2008; Hurrelmann, 2011]. Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann über diese Entwicklung [2011]: „Die jungen Männer sind es inzwischen, die die deutsche Bildungsbilanz trüben. […] sie dominieren die Schülerschaft an den Haupt- und Förderschulen, sie verlassen die Schule viel häufiger als die jungen Frauen ohne Abschluss. Sie fallen leistungsmäßig immer weiter zurück und können im historischen Vergleich als Bildungsverlierer bezeichnet werden.“ [S. 190]

Die ungleichen schulischen Entwicklungen von Jungen und Mädchen wurden eindrücklich u.a. in der PISA-Studie dokumentiert. Die Bildungsforscherin Jutta Allmendinger [2009] über die Schere zwischen den von Jungen und Mädchen gezeigten Leistungen in den Ergebnissen:  „Die PISA-Werte der fünfzehnjährigen Mädchen gehen in Richtung der Werte des Spitzenreiters Finnland, die der Jungen in Richtung des Schlusslichts Mexiko.“

Immer mehr Jungen entwickeln Verhaltensauffälligkeiten. Kinder- und Jugendpsychiatern werden sie viermal so häufig vorgestellt wie gleichaltrige Mädchen. Bereits jeder achte zehnjährige (!) Junge trägt die Diagnose ADHS. Der Psychoanalytiker und Jungenforscher Frank Dammasch dazu: „In der Tat sind die mit der psychiatrischen Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität) belegten und mit Methylphenidat behandelten Kinder im Grundschulalter ca. 85% männlichen Geschlechts, was von medizinischer Seite eigenartigerweise oft übergangen wird.“  [S.9, Dammasch, 2008]

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