Gesundheitsmanagement 4.0

2.   Stress aus Arbeitsorganisation und Management

  • Digitalisierung und Automatisierung schaffen eine neue Entfremdung der Arbeit, in der der Arbeitstätige mit seiner Kreativität keinen Widerhall und kein Selbstwirksamkeitserleben mehr findet. Der Arbeitende wird auch bei hoher Qualifikation auf ein ausführendes Rädchen reduziert.
  • Unrealistische Zielsetzungen und unerfüllbare Quoten schaffen Frustration. Der Arbeitstätige rennt wie in einem Laufrad, ohne vorwärts zu kommen.

    Job strain-Modell nach Karasek [1]

  • Die zunehmende Beschleunigung von Produktzyklen setzt in vielen Bereichen die Entwicklungsprozesse und damit die daran Arbeitenden unter Druck.
  • Just-in-time-Prozesse stehen unter der dauernden Hektik, angesichts vieler Störfakturen den richtigen Zeitpunkt verfehlen zu können.
  • Das wachsende Missverhältnis von Kontroll- und Entscheidungsspielräumen einerseits und quantitativen wie qualitativen Arbeitsanforderungen lässt job strain entstehen.
  • Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit durch mobile Kommunikation. Der Wegfall von Feierabend und Wochenendentspannung durch dauernde Erreichbarkeit stören Ruhe- Regenerationsphasen.
  • Ungerecht erscheinende Arbeits- und Vertragskonditionen, mangelnde Entwicklungs- und Karrierechancen sowie Konkurrenzdruck schaffen Gratifikationskrisen, Frustration, Neid und sind letztlich mitverantwortlich für Sozialstress.
  • Trotz Wirtschaftsboom steigt die Zahl derjeniger, die von ihrer Arbeit nicht angemessen leben können. Zukunftsängste entstehen.
  • Konkurrenzdruck, mangelnde Wertschätzung und sozialer Stress begünstigen Mobbing.

3.   Gesellschaft und Lifestyle begünstigen Stressentwicklungen:

  • Schnelllebigkeit und die Auflösung traditioneller Werte und Gewissheiten verursachen Gefühle der Haltlosigkeit und Sinnentleerung.
  • Konsumorientierung und die Ökonomisierung in allen Lebensbereichen verursachen ein Getrieben-Sein, nicht mehr mithalten bzw. nicht „in sein“ zu können. Zugleich entstehen oft Dauerunzufriedenheit, Neid und Angst überholt zu werden.
  • Das Wohlfahrtsversprechen des Staats wankt: Lebenshaltungskosten steigen stärker als die Einkommen für die meisten Schichten. Altersarmut entsteht durch die Erosion und Überforderung des Rentensystems. Immer mehr Menschen hegen Angst vor sozialem Absturz.
  • Digitalisierung, Mediatisierung entrücken Sozialkontakte aus dem persönlichen Dialog und bewirken Realitätsentfremdung. Nicht selten wird dies noch durch eine Informationsüberflutung und selbstgemachten Freizeitstress verstärkt.
  • Das Internet mit seinen anonymen Foren setzt den Einzelnen mit seiner verkürzten und oft verrohten schriftlichen Kommunikation einer lauernden Masse aus.
  • Partner-Beziehungen leiden unter Entfernungen und geraten medial zu unpersönlichem „Dating“.
  • Die einseitige Information der Medien verurteilt zu Passivität des Zuhörers. Emotionale Beteiligung wird aufgeheizt, kann sich aber nicht ausleben.
  • Die Singularisierung in der Gesellschaft mit Zersplitterung von Familienstrukturen und Orientierungsverlust in Sozialstrukturen führt zum Verlust von Rückhalt und emotionaler Stabilität und Zukunftsvertrauen.

Die Summe der dieser auch problematisch zu betrachtenden Stressfaktoren beeindruckt. Jedoch ist eine klare Benennung der Problemlage ein erster Schritt, die Bedrohlichkeit dieser Einflüsse zu reduzieren, weil gemäß dem zuvor erwähnten Zitat von Louis Pasteur durch die bewusste Auseinandersetzung Bewältigungsstrategien abgeleitet werden können.

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