Hoch-Risiko-Gruppe

Diabetes Zeitung · 1. Jahrgang · Nr. 5 · 26. Oktober 2016

Psychiatrische Klinik achtet auch auf die Nebendiagnose Diabetes

Das Sigma-Zentrum in Bad Säckingen darf seit zweieinhalb Jahren das DDG-Zertifikat „Klinik für Diabetespatienten geeignet“ tragen. Psychiatrie und Diabetes sind eng verbunden, sagt der Leitende Arzt für Somatische Medizin, Dr. Johannes Bauer.

Die Therapie mit Neuroleptika, einigen Antidepressiva und die depressionsbedingte Inaktivität gehen häufig mit verstärktem Übergewicht bzw. Adipositas einher, was die Blutzuckereinstellung verschlechtert“, erklärt Dr. Bauer, Internist, Psychotherapeut und seit 19 Jahren als Diabetologe DDG tätig. Diabetiker mit einer psychiatrischen Begleiterkrankung bildeten eine Hochrisikogruppe hinsichtlich Diabeteskomplikationen. Das Sigma-Zentrum ist eine Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik. Behandelt werden psychische Erkrankungen aller Art, vor allem aber Depressionen, Angst-, Zwangserkrankungen und Essstörungen. Es gibt drei Abteilungen für jeweils 40–50 Patienten sowie eine psychiatrische Tagesklinik.

Pflegemitarbeiter wurden intern geschult

Im Rahmen der Zertifizierung wurden entsprechend den DDG-Vor gaben zwölf Mitarbeiter des Pflegedienstes intern durch Ärzte und Diabetesberater hinsichtlich der Erkrankung Diabetes mellitus geschult. 12 Stunden umfasste der Kurs. Erlernt wurde u.a., wie Stoffwechselkontrollen fachgerecht umgesetzt und Therapieziele klar definiert werden. Darüber hinaus wurden die klinischen Abläufe entsprechend den DDG-Kriterien angepasst. Bei jedem Patienten wird jetzt am Aufnahmetag der Blutzucker gemessen. Ist der Wert deutlich verändert (Unterzucker oder Blutzucker über 200 mg/dl), erfolgt zeitnah ein diabetologisches Konsil.

Beispiel verdeutlicht Bedeutung der Blutzuckermessung

Dies kann im Einzelfall von großer Bedeutung sein, wie Dr. Bauer am Beispiel verdeutlicht: Ein depressiver Insulinpumpenpatient kam eines Freitagnachmittags mit einer Unterzuckerung von 35 mg/dl zur psychiatrischen Aufnahme. Als Folgeerkrankung lag bei ihm eine ausgeprägte Hypoglykämiewahrnehmungsstörung vor, die aktuelle Unterzuckerung hatte der Patient gar nicht bemerkt. Das Auslesen seines Blutzuckermessgerätes zeigte eine katastrophale Blutzuckereinstellung zwischen 30 und 600 mg/dl. Das Wochenende konnte mit engmaschigen Blutzuckerkontrollen überbrückt werden. Gleich am Montag wurde er in der DDG-Kooperationsklinik, dem Diabeteszentrum Schopfheim, zur Pumpenneueinstellung vorgestellt. Er nahm dort an einer Refresher-Schulung teil, der Insulinkatheter wurde umgestellt, die Blutzuckereinstellung besserte sich deutlich. Die Behandlung der Depression konnte danach im Sigma-Zentrum über mehrere Wochen weitergeführt werden.

Die Rezertifizierung ist bereits fest eingeplant

Seit der Zertifizierung durch die DDG wurden im Sigma-Zentrum ca. 170 Menschen mit Typ-2- bzw. Typ-1-Diabetes erfolgreich betreut. „Die Zertifizierung hat sich auf jeden Fall gelohnt“, so Dr. Bauers Fazit. Die Rezertifizierung im nächsten Jahr sei Ehrensache.

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