Ein interdisziplinäres Fallbeispiel

Von: | 25.02.2014 |

Leseempfehlung:

Internistisch-neurologisch-psychiatrisches Fallbeispiel

In der Zeitschrift „Der Internist“, Ausgabe 55 vom Februar 2014, ist ein interessantes Fallbeispiel einer 78-jährigen Patientin erwähnt, die wegen unklarer Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes mit einem cerebralen Krampfanfall in die Notfallstation der Klinik eingewiesen wurde.

Die Patientin hatte zuvor selbstständig zu Hause gelebt und berichtete über Schwäche, Schwindel und Unwohlsein seit mehreren Tagen. Die Angehörigen beschrieben zusätzlich eine neu aufgetretene Unfähigkeit, alltägliche Handlungsabläufe korrekt auszuführen: Beispielsweise wurde das Feuer an der Holzheizung auf dem Brennofen anstatt im dafür vorgesehenen Brennfach entfacht. Ferner versuchte die Patientin, den nicht vorhandenen Reißverschluss am Pullover zu schließen.

Die Diagnostik ergab einen schweren Magnesium- Kalzium- und Kaliummangel als Folge einer langjährigen Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI). Die passageren neurokognitiven Symptome, der zerebrale Krampfanfall sowie die ausgeprägte QTc-verlängerung im EKG (507ms) sind als Folge der Elektrolytestörung zu werten. Im Rahmen eines gestörten Mineralstoffwechsels ist die PPI-induzierte Hypomagnesiämie eine seltene aber schwere Komplikation. In der Regel entsteht sie im Rahmen einer langjährigen regelmäßigen PPI-Einnahme. Aufgrund der meist fehlenden und unspezifischen Symptome einer Hypomagnesiämie ist diese in der Praxis mit großer Wahrscheinlichkeit unterdiagnostiziert. Eine Diagnosestellung erfolgt deshalb oft erst nach Jahren und diversen Abklärungen. Die begleitend auftretende Hypokalziämie sowie Hypokaliämie sind ebenfalls Ursache des Magnesiummangels.

Fazit für die Praxis:

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) empfahl am 02. März 2011 eine Magnesiumbestimmung im Serum vor Beginn einer längerfristigen PPI-Therapie. Zudem sind regelmäßige Magnesiumbestimmungen bei Patienten mit chronischem PPI-Konsum empfohlen, insbesondere wenn zusätzlich Diuretika verabreicht werden.

Zusammenfassung: Dr. med. Johannes Bauer
Quelle: Der Internist 02/2014. 55: 199-205

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