Leben ist Risiko

Das Leben ist ein einziges Risiko. Ohne Risiko kann man letztlich nicht leben. Ich habe es mal vor einiger Zeit so formuliert: „No risk, no fun“. Das ist natürlich überspitzt und soll Sie nicht veranlassen, jetzt Dinge zu tun, die Sie das Leben kosten. Nichts destotrotz, der Mensch ist geboren, damit er überlebt. Er ist nicht geboren, um sich zu konservieren.

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Walser-ZitatDiese Sichtweise stellt zum Teil ein großes Problem für unsere zivilisierte Gesellschaft dar. Es ist ein Problem, weil die Fürsorge, die wir uns alle gönnen, eher die Tendenz beinhaltet, zu bewahren oder zu konservieren. Die Mutter sorgt sich um das Kind, der Partner um die Partnerin und umgekehrt. Die Gesellschaft erwartet , dass sie geschützt und letztlich “versorgt” wird. Wenige begreifen, dass wir heute auf Grund einer relativ friedlichen Zeit in Europa eine große Chance haben, selbständig zu entscheiden, was sie tun. Wir könne aus eigener Kraft heraus meist entscheiden, welchem Risiko wir uns stellen. Tatsache ist aber: Ohne Risiko geht es nicht.

Risiko beinhaltet aber nicht nur, dass wir uns dem Beruf mit mehr oder weniger Erfolg stellen. Das Risiko des Lebens fängt viel früher an. Es fängt an, wenn wir gestalten, wenn wir emotional verantworten, was wir tun, weil wir auf dieser Erde leben. Dies ist nicht selbstverständlich. Es gibt Menschen, die im Krieg waren und zurückkommen, wie damals die Vietnam-Soldaten. Sie haben im Krieg enorme Risiken ertragen und vielleicht mit großem Glück überlebt. Sie waren aber manchmal nicht mehr in der Lage, in einer Beziehung sich selbst zu verantworten und das Risiko einzugehen, Fehler zu begehen und Konflikte zu bewirken, z.B. die Partnerin ungewollt zu verletzen und diese Handlung zu verantworten. Das gelang ihnen nicht. Sie wollten entweder agieren und Großes vollbringen oder sich zurücklehnen und geschützt werden.

Im Alltag sehen wir dieses Phänomen, zu agieren, dann Schutz zu suchen, viel häufiger. Wenn z.B. Männer im Beruf sich behaupten, kommen sie nach Hause, setzen oder legen sich z. B. vor den Fernseher, trinken ein, zwei oder sogar drei Bier und warten, bis sie einschlafen. Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage, wo ist deren Verantwortung? Der Ehemann wird natürlich sagen: „Ich habe den ganzen Tag gekämpft.“ Die Frau wird sagen: „Du hast nur deine Arbeit gemacht, ich aber kümmere mich um das Wesentliche, um das, worum es wirklich geht, um die Kinder, und die Familie.”

Man kann jetzt unendlich diskutieren, was Risiko im Beruf ist und was Risiko in der Beziehung ist. Man wird wahrscheinlich keine richtige Antwort finden. Es sei denn, man ist bereit zu verinnerlichen, worum es geht. Es geht darum, dass wir im Leben unseren Mann und unsere Frau stehen, bzw. das Risiko tragen, andere, die vermeintlich anders denken, auch versehentlich zu verletzen. Für den in sich ruhenden Menschen ist es kein Risiko, da er für sein Ich einsteht und auch dafür kämpft. Für ihn ist es nur Autonomie, d.h. die Bereitschaft, zu sich zu stehen. Für das Gegenüber ist seine Haltung aber vielleicht eine Herausforderung und ein Affront, weil er sozusagen narzisstisch, selbstherrlich oder dominant wirkt.

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