Psychodiabetologie (Teil 1)

Von: | 11.02.2014 | ,

Das Sigma-Zentrum Bad Säckingen, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, gehört zu den ersten Krankenhäusern dieses Fachgebietes, das die besondere Zertifizierung als „Klinik für Diabetes-Patienten geeignet (Deutsche Diabetes Gesellschaft DDG)“ anstrebt. Der Zusammenhang und die Wechselbeziehung von psychischen Erkrankungen und Diabetes ist wissenschaftlich belegt und erfordert eine besondere Berücksichtigung im Rahmen der psychiatrischen Therapie. Das Sigma-Zentrum hat hierfür eine Spezialisierung in der Behandlung von Psychiatriepatienten mit Diabetes ausgearbeitet.

In der Vorbereitung der Zertifizierung als „Klinik für Diabetes-Patienten geeignet (DDG)“ wurden 373 Patienten nachuntersucht, die im Sigma-Zentrum im Zeitraum 01.04.2013 bis 31.09.2013 stationär behandelt wurden. Dabei fanden sich insgesamt 40  Diabetespatienten (11 % der behandelnden Patienten). Dies liegt deutlich über der Diabeteshäufigkeit der erwachsenen deutschen Bevölkerung, die derzeit etwa bei 8 % liegt. 9 Diabetiker (alle Typ 2 Diabetes) wurden während des stationären Aufenthaltes neu diagnostiziert. An diabetischen Folgeerkrankungen wurden festgestellt: Diabetische sensible Neuropathie (Nervenschädigung):  11 Patienten, diabetische Nephropathie (Nierenschädigung): 4 Patienten, diabetisches Fußsyndrom und diabetische Retinopathie (Augenschädigung): jeweils 1 Patient. An Begleiterkrankungen fanden sich 4 Patienten mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, 3 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, 2 Patienten mit zerebraler arterielle Verschlusskrankheit und 3 Patienten mit koronarer Herzkrankheit. Eine Insulintherapie wurde von 9 Patienten durchgeführt.

Wechselwirkungen Diabetes und Depression:

Depressive Störungen kommen bei Diabetikern doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass depressive Diabetiker in der Regel höhere Blutzuckerwerte haben und somit von den diabetischen Folgeerkrankungen deutlich häufiger betroffen sind als Patienten ohne depressive Erkrankung.  Die Mortalität ist dabei nicht nur bei Patienten mit klinischen Depressionen, sondern auch bereits bei subklinischer Depressivität erhöht (1). Depressive Diabetespatienten haben eine im Vergleich zu nicht depressiven Diabetikern reduzierte Lebensqualität (2) und ein erhöhtes Maß funktionaler Einschränkungen im Lebensalltag (3).

Unterversorgung bei Menschen mit Diabetes und Depressionen:

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass die gegenwärtige Versorgung dieser zahlenmäßig großen Patientengruppe unzureichend ist. In der klinischen Praxis fehlen vor allem effektive Konzepte für die Behandlung von Diabetespatienten mit begleitender Depression. Es gibt bisher nur sehr wenige Daten zu der Frage, welcher Patient von welcher Art der Intervention profitiert (4). Insgesamt verdient das Thema Psychodiabetologie in Zukunft ein verstärktes Augenmerk im Rahmen einer psychiatrischen und psychosomatischen Behandlung. Das Sigma-Zentrum hat alle Voraussetzungen dafür geschaffen, diesem Problem in Zukunft besser gerecht zu werden.

Therapieansatz im Sigma-Zentrum:

Im Sigma-Zentrum ist bleiben in der Regel mehrere Wochen stationär und profitieren von einem multimodalen Therapiekonzept, das nunmehr zusätzliche Interventionsmöglichkeiten bzgl. einer Optimierung der Diabetestherapie beinhaltet. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Zertifizierung wurden 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege im Rahmen einer zwölfstündigen Schulung mit allen wichtigen Themen des Diabetes vertraut gemacht. Kooperationsvereinbarungen mit dem Diabeteszentrum Schopfheim sowie mit der Diabetologin Dr. Annette Fenske garantieren eine hoch qualifizierte Diabetesbetreuung auch in  Akutsituationen sowie in Urlaubszeiten.

Folgende abteilungsübergreifende Verfahrensanweisungen sind dabei im Qualitätsmanagement des Sigma-Zentrums verankert:

1. Hypoglykämie

Jeder Diabetiker, der mit Insulin behandelt wird und/oder blutzuckersenkende Tabletten erhält, kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) bekommen. Mögliche Tabletten, die eine Unterzuckerung auslösen können, sind: Glibenclamid (Euglucon), Glimepirid (Amaryl), Nateglinid (Starlix) und Repaglinide (Novonorm).  Bei der Definition einer Unterzuckerung müssen folgende Gesichtspunkte berücksichtigt werden:

Unterhalb eines Blutzuckerwertes von ca. 70 mg/dl (3,6 mmol/l) beginnt in der Regel die Hypoglykämie-Gegenregulation mit Hormonausschüttung und begleitenden typischen Symptomen. Bei den Anzeichen der  hormonellen Gegenregulation versucht der Körper, den Blutzucker aus eigener Kraft zu erhöhen. Die Patienten können berichten über: Schweißausbruch, Zittern, Herzklopfen, Angst und Heißhunger. Bei Anzeichen von Zuckermangel im Gehirn können auftreten: Langsamkeit, Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Doppeltsehen, Sprachstörungen, aggressives Verhalten, Störungen im Handlungsablauf (z.B. beim Kaffeekochen oder Blutzuckertesten). Berichten Diabetiker über Symptome dieser Art oder wird ein auffälliges Verhalten bemerkt, muss der  Blutzucker gemessen und gegebenenfalls die Unterzucker behandelt werden. Es gibt Besonderheiten bei Patienten mit Unterzuckerungs-Wahrnehmungsstörungen, bei denen trotz bereits bestehender Unterzuckerung die Symptome fehlen und für die ein Teil der Therapiestrategie daraus besteht, Unterzuckerungen konsequent zu vermeiden. In diesem Zusammenhang muss sicherheitshalber bereits bei höheren Blutzuckerwerten mit Zufuhr von Kohlenhydraten korrigiert werden.

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