Weltgesundheitstag „Depression – Let’s talk“ (2)

Zum Weltgesundheitstag der WHO am 07. April 2017.

 

Depression und Diabetes

 

  • „Was kann ich gegen meine Ängste und Depressionen als Diabetiker tun?“
  • „Wie kann ich im Alltag mit dem Diabetes besser zurechtkommen?“

Diese Fragen stellen sich viele Diabetiker vor allem, wenn sie nach Jahren müde geworden sind im „Kampf“ gegen ihren Diabetes. Häufig gehen Diabeteserkrankungen mit schweren Depressionen einher. Klinisch belegt sind zahlreiche Korrelationen und Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Depressionen, durch die die eine Erkrankung die andere begünstigen oder auslösen kann.

Umso verwunderlicher ist es, dass diese Zusammenhänge in den meisten psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern keine besondere Aufmerksamkeit haben – das Sigma-Zentrum Bad Säckingen das bisher das einzige Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychosomatik in Deutschland ist, das mit der Anerkennung als „Klinik für Diabetespatienten geeignet der Deutschen Diabetes Gesellschaft“ Patienten mit psychischen Erkrankungen und mit Diabetes umfassend zu behandeln.  Seit der Erstzertifizierung durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im Jahr 2014 wurden mittlerweile über 200 Menschen mit Typ 2- bzw. Typ 1 Diabetes und psychischen Erkrankungen erfolgreich betreut.Diabetespatienten in einer Klinik behandelt – das Zertifikat wurde aktuell bis 2020 verlängert.

Patienten, die sich in im psychiatrischen Fachkrankenhaus vorrangig wegen ihrer Depression oder einer anderen psychischen Störung behandeln lassen, wollen sicher sein, dass dabei auch ihre diabetische Grunderkrankung kompetent berücksichtigt wird. Selbstverständlich muss der Diabetes bedarfsgerecht überwacht und weiterbehandelt werden, die Medikation im psychotherapeutischen Behandlungsplan sowie die Ernährung auf ihre Diabetes-Erkrankung abgestellt wird und Notfallequipment für den Fall einer Blutzucker-Entgleisung bereitsteht.

Bei einer Behandlung im Krankenhaus ist es wichtig, bei jedem Patienten die genaue Vorgeschichte, Grunderkrankungen oder Allergien zu erfassen. Bei Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, ist dies besonders bedeutend. Das Zertifikat „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ hat das Ziel, die Qualität der Behandlung für Menschen mit der Nebendiagnose Diabetes zu verbessern. Drei der zu erfüllenden Kriterien sind besonders wichtig: Es muss ein diabetologisch versierter Arzt zur Verfügung stehen, Pflegekräfte müssen diabetologisch geschult sein und es muss gewährleistet sein, dass die Blutzuckerwerte bei jedem Patienten geprüft werden. Im Sigma-Zentrum als Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin wird somit zur Absicherung der Nebendiagnose Diabetes ein routinemäßiges Screening auf erhöhte Glukosewerte durchgeführt. Bei jedem neu aufgenommenen Patienten wird sofort Blut abgenommen und die Blutzuckerwerte werden bestimmt.“ Damit werden nicht nur die Diabetes-Patienten klar identifiziert, sondern auch die, deren Diabetes bislang unentdeckt geblieben ist. Davon profitieren vor allem die Patienten. Denn ein gut eingestellter Diabetes trage dazu bei, Diabeteskomplikationen zu verhindern und eine zusätzlich bestehende depressive Erkrankung zu verbessern.

„Wir müssen lernen, in neuen Situationen neu nachzudenken!“ (Berthold Brecht)

Das Diabetesteam im psychiatrischen Fachkrankenhaus unterstützt dies: Von der fächerübergreifenden Diabetes-Kompetenz profitieren vor allem die Patienten, denn ein gut eingestellter Diabetes trägt dazu bei, Diabeteskomplikationen zu verhindern und eine zusätzlich bestehende depressive Erkrankung zu verbessern.

Dr. med.  Johannes Bauer
Internist, Diabetologe DDG, Angiologe
Ernährungsmediziner DAEM/DGEM, Psychotherapeut

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