Weltgesundheitstag „Depression – Let’s talk“ (3)

Zum Weltgesundheitstag der WHO am 07. April 2017.

 

Altersdepression erkennen und behandeln

 
Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die psychiatrischer Behandlung bedürfen. Oft sind sie nur in einem stationären Aufenthalt nachhaltig und befriedigend zu lindern. Mit dem demographischen Wandel ist naturgemäß eine größere Zahl von Menschen im höheren Lebensalter von Depressionen betroffen. Beim Auftreten einer Depression im höheren Alter spricht man von einer „Altersdepression“.

Über dieses Thema sprechen wir mit dem Neurologen und Psychiater Dr. Olaf Windmüller, Oberarzt im Sigma-Zentrum, der sich intensiv mit der Diagnostik und Behandlung solcher Erkrankungen befasst.

Herr Dr. Windmüller, Depressionen gibt es in jedem Lebensalter. Was versteht man unter dem Begriff „Altersdepression“ und wie häufig kommt diese vor?

Dr. Windmüller: Depressionen gehören in der Tat zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Bisher gibt es keine einheitliche, allgemein akzeptierte Definition der Altersdepression hinsichtlich des Erkrankungsalters. Aufgrund der Zunahme der Altersgruppe der über 65-Jährigen um 20 % in den nächsten zehn Jahren werden ältere Patienten mit Depressionen im ambulanten und stationären Behandlungsrahmen zunehmen.

Die Erkrankungshäufigkeit für klinisch bedeutsame Depressionen im höheren Lebensalter wird mit Werten zwischen 8 und 18 % angegeben. In der Altersgruppe über 75 Jahre wurde sogar eine Häufigkeit depressiver Symptome bis zu 37 % beschrieben. Das Depressionsrisiko steigt bei einem älteren Menschen mit Mehrfacherkrankungen an, bei sechs und mehr Erkrankungen auf das Sechsfache gegenüber einem Gesunden.

Welches Erscheinungsbild kann die Altersdepression haben bzw. wie zeigt sie sich in der klinischen Aufnahmesituation?

Dr. Windmüller: Das Erscheinungsbild der Altersdepression ist sehr unterschiedlich. Es bestehen keine erheblichen Unterschiede zwischen Depressionen im jungen und solchen im höheren Lebensalter. Ältere Menschen leiden aber häufiger an körperlichen Erkrankungen die subjektive Beschwerden wie eine Depression verursachen können. Als Beispiele können die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Anämien (Blutarmut) oder eine Unterfunktion der Schilddrüse genannt werden. Stehen bei einer Altersdepression körperliche Symptome im Vordergrund, werden diese oft fälschlicherweise als Zeichen natürlicher Alterungsprozesse gewertet. In solchen Fällen liefern aber depressionstypische Symptome, wie Freud- und Hoffnungslosigkeit, Ängste, Interessenverarmung aber auch unerklärliche Schmerzen und allgemeine Verlangsamung wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Depression.

Häufig beklagen die Betroffenen auch ausgeprägte Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, die typischerweise bei der Altersdepression auftreten.

Der Zusammenhang zwischen Depression und Demenzerkrankungen ist bisher nicht vollständig aufgeklärt. Allerdings weisen Forschungsergebnisse auf ein erhöhtes Risiko für eine Demenz bei einer Depression in der Vorgeschichte hin. Umgekehrt besteht bei einer Demenz eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken. Oft tritt diese schon vor dem Auftreten nachweisbarer Gedächtnisstörungen auf.

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