Selbst entstressen lernen

Freier Vortrag im vom 03. April 2016

Alle haben wir Stress. Oftmals mehr, als uns lieb ist.
Manchmal macht Stress uns krank. Dadurch entscheiden und handeln wir falsch – und begeben uns zum Teil ungewollt in einen Circulus vitiosus, in dem die Stressoren sich immer wiederholen. In diesem Teufelskreis produziert Stress wiederum neuen Stress, denn, einmal darin gefangen, treffen wir falsche Entscheidungen, die wiederum falsche Entscheidungen zur Folge haben können. So sind wir dann gewissermaßen Verursacher und Leidende in einer Person.

Weshalb ist das so, dass wir uns von Stress nicht ohne Weiteres abgrenzen können?
Warum haben wir Stress oft so wenig im Griff, dass wir falsch, das heißt verkehrt entscheiden?
Zunächst einmal, weil Stress zum Leben gehört. Und da wir uns durch den daraus resultierenden Adrenalinausstoß auch gewohnheitsbedingt selbst anregen, beflügeln und strukturieren können, empfinden wir Stress mitunter sogar als angenehm, ja schön.

Insofern ist Stress im normalen Maß sehr aktivierend und belebend. Sie sehen das beispielsweise an vielen Ehen, in denen sich beide Partner von Zeit zu Zeit immer wieder provozieren, sich irritieren – insbesondere dann, wenn der andere ist wie er ist und man an ihm vermeintlich nichts ändern kann. Das gibt der Beziehung Leben. Beide Partner haben zwar etwas Stress, aber sie haben sich etwas zu sagen. Stress bewirkt zumindest, dass beide Gefühle zeigen, Interesse am anderen haben, am Miteinander – und wenn es sich nur dadurch äußert, dass beide ein wenig streiten.

Auch im Beruf ist Stress manchmal förderlich, wenn er Ideenreichtum aktiviert. Wenn wir ab und zu „müssen“, fangen wir an, uns zu „sortieren“. Da ist sich jeder Mensch ähnlich. Insofern ist Stress, sofern er die Kreativität, die Entscheidungskraft und die Lebensfreude fördert, nichts Negatives.

Problematisch wird es, wenn Stress eine Eigengesetzlichkeit entwickelt und sich steigert. Hat beispielsweise eine Frau zwei Kinder, ist der Stress für sie in aller Regel erfreulich und belebend. Hat sie dagegen fünf oder mehr, wird er zum äußerst belastenden Problem – zumal mit einem Mann, der zu Hause nur wenig mithilft.

Die Problematik besteht darin, dass wir den Übergang von positivem Stress (Eustress) zu belastendem Stress (Disstress) nicht im Griff haben. Wir stolpern mehr oder weniger in die Überforderung hinein – und entkommen ihr nicht mehr. Diesen Zustand des Disstresses kennen auch Sie, aus Lebenslagen, in denen Sie sehr viel tun haben und infolgedessen Erschöpfungszustände bei sich wahrnehmen.

Sie absolvieren in diesem Fall mehr und mehr, mit immer weniger Effizienz. Man sagt auch, dass man „im Kreis läuft“, sich „im Hamsterrad“ befindet, „im Trott“. Man ist dauernd aktiv, aber man bekommt nichts mehr hin. Hieraus resultieren Schuldempfinden, Insuffizienzgefühle oder gar Versagensängste. Aus diesen wiederum entwickelt sich weiterer Stress.

Man ist somit nicht mehr in der Lage, richtig zu entscheiden beziehungsweise man handelt einfach nur noch um der Entscheidung willen. So gehen Menschen zum Beispiel in einen Zustand der Aggressivität über, machen irgendetwas nur um des Machens willen – beispielsweise indem sie mit dem Auto rasen, im Affekt ihre Familie verlassen oder gute Freunde vor den Kopf stoßen. Sie machen Sinnloses. Sie machen Verkehrtes. Sie machen Fehler.

Beruflich kann dies verheerend sein. Man arbeitet sehr viel, leistet nichts mehr effizient, entscheidet falsch – und wirkt dadurch „inkompetent“ beziehungsweise „nicht mehr kompetent“.

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