Zum Tag der psychischen Gesundheit (4)

Von: | 08.10.2016 |

Psyche und Trauma

 „Ich kann das nicht steuern“
„Ich weiß nicht warum, plötzlich sind die Bilder da“.
„Es ist, als ginge eine Falltür auf und man fällt in einem Abgrund.“
„Mein Körper erstarrt plötzlich, und ich weiß nicht, warum.“

Wenn ein Mensch etwas erlebt, was seine Anpassungs- und Bewältigungsstrategien überfordert, wird automatisch sein Stresssystem aktiviert. Stressreaktionen sind ein genetisch verankertes, überlebensnotwendiges und automatisiertes Reaktions- und Verhaltensprogramm, das mit verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen einhergeht. Das passiert bei vielen Ereignissen. Das entscheidende für die Entstehung eines Traumas ist jedoch die Tatsache, dass die psychische Anspannung des Menschen nach Stunden oder Tagen nicht nachlässt, da die Person nicht in der Lage ist, das Erlebte psychisch zu verarbeiten. In Folge davon kann es nicht in die Erfahrungswelt integriert werden und in das Langzeitgedächtnis übergehen. Es wird nicht zur Erinnerung. Damit das Erlebte nicht ständig präsent ist, bleibt der Psyche nur die Möglichkeit, das Unverarbeitete abzuspalten. Durch Auslöser (Trigger) kann dieses jedoch plötzlich und unerwartet wieder aktiviert werden. Dies kann über alle Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Haut) geschehen. In Folge davon tauchen die Bilder der Ereignisse unvermittelt auf und/oder die damit einhergehenden Gefühle und/oder Körperreaktionen stellen sich unwillkürlich ein. Man hat das Gefühl, als ob es „jetzt“ (wieder) passiert. Bei der Behandlung von Traumafolgestörung geht es darum, dass die betroffene Person darin unterstützt wird, das traumatische Geschehen zu bearbeiten, damit es integriert werden kann und somit zur Erinnerung wird, also aus dem Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis überführt wird.

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